Montag 30.Mai - 21:42 Uhr
Frau Wacker schreibt an die Oberbürgermeisterin Petra Roth am 30.5.2011
30.5.2011
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
in diversen Medien wird derzeit viel Werbung fürs große Flughafenfest am 25. + 26.6.2011 gemacht unter dem Motto "HAPPY LANDING - Die neue Landebahn erleben".
Ich empfinde dies als Verhöhnung der lärmgeplagten Bevölkerung hier im Norden Frankfurts. Wir erleben hier den Vorgeschmack dieser neuen Landebahn und zwar seit dem 10.3.2011 ohne Vorwarnung und ohne Info.
Zu diesem Zeitpunkt flatterten die Wahlwerbeprospekte der Parteien in die Briefkästen und ich rief die auf dem CDU-Flyer angegeben Telefonnummer an, um mich über den Grund des nerv tötenden Fluglärms zu informieren. VOR DER WAHL!!!!!
Man sagte mir, also die CDU, ich müsse mich irren, es sei alles, wie es war. Nichts habe sich verändert. NACH DER WAHL wurde ich angerufen, von der CDU, ich hätte doch recht, es seien die Tests für die neue Landebahn, es werde sich etwas verändern. Auf meine Frage "Was denn?" versprach man mir, man würde mir Info-Material zuschicken. Auf das warte ich heute noch, obwohl ich mehrmals danach gefragt habe. Egal was ich auch versucht habe konkrete Informationen zu erhalten, die Politik, die Medien, Umweltamt, Fraport und Umweltverbände sagen nichts oder nicht viel oder Widersprüchliches. Nur die Werbung für "HAPPY LANDING" ist überall präsent, zynisch und menschenverachtend.
Am Freitag, dem 27.5.2011, als es über Bonames wieder besonders schlimm her ging, alle 2 Min. eine Maschine in sehr geringer Höhe, rief ich Herrn Dr. Schmitt vom Umweltamt an. Was ich da hörte, hat mich zutiefst beunruhigt: Zunahme des heutigen Flugaufkommens um 40% ab Okt., über den nördlichen Stadtteilen, wir sind der nördliche Gegenanflug, aber das sei nicht alles, der Flugverkehr würde weiterhin in den nächsten Jahren drastisch zunehmen.
Stimmt es wirklich, dass Landebahnen in der Wetterau geplant sind und man darüber nachdenkt, im Süden Frankfurts ganze Ortschaften zu verlegen?
Ist in einigen Köpfen der nächste Flughafenausbau schon vorgesehen?
Ich fragte Dr. Schmitt, womit die Flugzeuge bei immer geringer werdenden Ressourcen betankt werden sollen. Er meinte, man würde schon rechtzeitig genügend Biotreibstoff entwickeln.
PRIMA FUER DEN KLIMASCHUTZ !!!!
Er meinte, ich könne den Menschen nicht das Fliegen verbieten. Nein, das kann ich nicht und das ist auch nicht meine Absicht. Ich bin ein äußerst freiheitsliebender Mensch und kein Querulant, der anderen Recht, Freiheit und Spaß am Urlaub nehmen will. Ich bin aber der Ansicht, dass Recht und Freiheit des einen da aufhören, wo Recht und Freiheit des anderen anfangen.
Wir - die Bürger - haben
- das Recht auf unversehrte Gesundheit (Menschenrecht!) (Fluglärm macht nachweislich krank - ganz zu schweigen von den Abgasen, die über uns geblasen werden)
- das Recht auf ungestörte Nachtruhe (Nachtflugverbot)
- das Recht und die moralische Pflicht, unsere Kinder in einer halbwegs gesunden Umgebung aufwachsen zu lassen
(ein paar Kita- und Krippenplätze mehr reichen nicht!)
- wir haben das Recht auf Schutz unserer Wohnungen und Eigenheime. Wer zahlt uns den finanziellen Verlust unserer Immobilien, zum Beispiel beim Verkauf; wer will in einer Einflugschneise leben. Wir zahlen Grundsteuer. Sollen wir diese jetzt alle neu festsetzen lassen?
Einige profitieren vom Flughafenausbau und andere zahlen drauf. Das kann nicht sein!
- wir haben das Recht auf die Freiheit, an Sommerabenden und in unserer Freizeit im Freien auf unseren Balkonen, Terrassen und in unseren Gärten zu
sitzen, und nicht in hermetisch verschlossenen Räumen hinter Schallschutzfenster, um dem Fluglärm zu entgehen.
- wir haben das Recht! Wir haben es verdient, wir haben hart dafür gearbeitet und tun dies noch immer!
Es ist eine Schande, dass Kitas und Kindergärten mit Lärmschutzwänden umgeben werden, die CDU-Senioren sogar verlangt haben, Kitas und Kindergärten aus Wohngebieten zu verbannen (und das in einer Christlichen Partei!!!), aber Flugzeuge dürfen über Wohngebiete donnern auf Teufel komm raus, 21 Stdn. am Tag alle 2 Min.
Soweit ich weiß, hat die evangelische Kirche angemahnt, den Bürgern endlich reinen Wein über die Flugrouten einzuschenken und die Übereinkommen aus Gesprächen und Mediationen einzuhalten, z.B. Nachtflugverbot.
Es ist mit nicht bekannt, dass die nördlichen Stadtteile in diese Mediationen usw. eingebunden gewesen wären. Wenn doch, hat man das offensichtlich erfolgreich vor uns geheim gehalten.
Was ist mit der Sicherheit der in kurzen Abständen und in geringer Höhe fliegenden, sich zum Teil in geringem Abstand überholenden Maschinen, und das alles über dicht bewohntem Gebiet? Piloten und Fluglotsen sind Menschen, und Menschen machen Fehler. Das dürfen sie auch, weil es Menschen sind, vor allem in einem immer dichter werdenden Luftraum. Flugzeuge sind sicher! Genau wie Kernkraftwerke! Das hat man den Menschen in Fukushima auch erzählt. Bei all den Sicherheitspannen am Frankfurter Flughafen in den letzten Tagen und Wochen scheint mir Garnichts sicher.
Bitte setzen Sie sich dafür ein:
- dass die Bevölkerung endlich über die Konsequenzen des Flughafenausbaus informiert wird,
- dass die Flugrouten auf die alte Flughöhe (vor dem 10.3.2011) angehoben werden,
- dass es ein striktes Nachtflugverbot gibt
- dass nicht nur eine Region über die Maßen belastet wird und - entlastenden Mechanismus finden
- dass soweit wie möglich über unbewohntes Gebiet geflogen wird.
Es ist auffällig, dass die CDU immer mehr an Wählern verliert, siehe Bremen, und das sicher nicht allein wegen Fukushima. Vielleicht sollte sich die CDU mal wieder mehr um die Nöte und Belange der kleinen Leute kümmern. Ich denke, die Wähler haben die Groß-Klientel-Politik satt.
Wenn Sie mich fragen, was ich das nächste Mal wähle - alle 2 Minuten, 21 Stunden am Tag, bei jedem über mich hinweg donnernden Flugzeug geht es durch meinen Kopf: "AUF KEINEN FALL DIE CDU !!!"
Mit freundlichen Grüßen
Ursula Wacker
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